Grußwort zur 800-Jahr-Feier Gemünd

Hanna Miley

Liebe Freunde,
Grüße vom Tal der Sonne, Phoenix, Arizona.

Dieses Jahr 2013 ist ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte unseres Heimatortes. Wir haben den 800. Jahrestag der Gründung Gemünds erreicht.

Als die jüdischen Bürger Gemünd nach der Kristallnacht verließen, war ich die jüngste unter ihnen. Und nun, 74 Jahre später, haben Sie mich eingeladen, Schirmherrin Ihrer Feierlichkeiten zu sein.

Warum gerade ich? Ich glaube, dass Sie mir diese Ehre gegeben haben, damit ich die jüdische Gemeinde repräsentieren soll. Ich erinnere mich an einige von ihnen- ihre Namen und Gesichter sind mir noch sehr lebendig vor Augen: Kurt Meyer, mein Freund aus Kindertagen; Gisela Teller, die mir ihren Schlitten gegeben hatte; Ruth Meyer, die mit mir von meinem Zuhause in der Dreiborner Straße zum Kino ging. Wir wollten uns Schneewittchen und die 7 Zwerge ansehen. Vor allem denke ich an meine Eltern, Amalie und Markus Zack.

Es vergingen viele Jahre bevor ich begann, Gemünd wieder zu besuchen. Zuerst war die Berührung mit der Vergangenheit eine traurige Erfahrung. Erstaunlicherweise lebten noch einige Gemünder Bürger, die sich noch an das kleine Kind Hannelore Zack erinnerten. Ich bin sehr dankbar für Ihre Freundlichkeit. Ich hatte ja so wenige Erinnerungen an meine Kindheit und die Geschichten, die Willi Kruff, Lisbet Ernst und Frau Schmitz mir erzählten halfen mir, Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Ich glaube, dass die Liebe dieser Menschen zu einer früheren jüdischen Nachbarin ihre Fortsetzung findet in Ihrer Entscheidung, an die jüdische Gemeinde während der 800-Jahr-Feier zu erinnern.

Es ist eine wunderbare Sache, dass Sie sich der Wahrheit über die Dunkelheit der 30er Jahre stellen, indem Sie jetzt Stolpersteine verlegen. Sicherlich wird großer Segen einer solchen unmittelbaren Ehrlichkeit folgen. Sie streben das Gute dieser Gemeinde an.

Schon in den letzten Jahren gab es deutlich sichtbare Zeichen der Erneuerung und ökonomischen Wiederbelebung. Viele Besucher kommen, um die Schönheit der Eifel zu genießen. Junge Leute hier aus der Region drücken ihre Kreativität aus, als sie die Geschichte Gemünds kennenlernten.

Jedes Mal, wenn mein Mann George und ich wieder hierhin zurückkommen, erfahren wir viel Freude unter unseren Gemünder Freunden.

Danke, dass Sie mir diese Ehre gegeben haben.

Möge Gott uns und einen jeden segnen. Shalom.

Hanna Zack Miley